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Jawa 500 OHC - Forum

1952-1958

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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 2.012 mal aufgerufen
 Jawa 500 OHC
Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

07.04.2013 19:10
Nockenwellenberuhiger Antworten




Hallo OHC Liebhaber,

das Wetter ist endlich da und darum läuft es heute bei mir gut und so schiebe ich das o.a. versprochene Thema hinterher.

Nockenwellen haben ein geplagtes Leben und zählen mit zu den am höchsten beanspruchten Teilen eines Motors.
Hauptforderung ist eine steife Ausführung einschl. Lagerung.

Materialien sind Gußeisen, Schmiedestahl oder gebaute Version in Stahl wie bei der Schnecken OHC. Da ist übrigens der Zylinderkopf steifer als bei der Königswellenausführung und besitzt keinen Nockenwellenberuhiger.
Warum nicht????

Nockenwellen werden in erster Linie wechselbelastet in der Verdrehung und wechselbelastet in der Durchbiegung.

Und um die Wechselbelastung in der Verdrehung geht es bei dem Nockenwellenberuhiger oder auch Nockenwellenschwingungsdämpfer genannt.

Das ist das Ding da vorne rechts am Zylinderkopf und einmalig im Motorenbau wie auch unsere OHC einmalig ist.

Gleich zu Anfang die wichtigsten Fragen und Antworten:

1. Bringt er was? Nein. Ich hab ihn vor ca. 7000 km rausgeschmissen.

2. Hat er Nachteile? Nicht viel. Höhere Reibung, geringe Geräuscherhöhung und minimale geringere Leistung und geringe Öltemperaturerhöhung.

3. Warum ist er da? Weiß nicht. Der Konstrukteur hat die bekannten Konstruktionsbücher nicht gelesen, glaubt aber an ihn. Ruf ihn an.

4. Hast Du die Tel.Nr.? Nein.

5. Kannst Du das technisch erklären? Ich versuche es im nächsten Beitrag.

Noch einen schönen Sonntag.

Henning.

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

11.04.2013 19:23
#2 RE: Nockenwellenberuhiger Antworten



Wenn die Nockenwelle das Ventil öffnen will erfolgt durch die Anlauframpe des Nockens eine rückdrehende und wenn das Ventil geschlossen wird eine vordrehende Bewegung durch die Ablauframpe. Und das ist die gefährliche wechselnde Drehbewegung. Wenn die Nockenwelle nicht zähelastisch ist bricht sie und wenn sie nicht hart genug ist verschleißen die Nocken. Die muß also ganz schön was tun. Zähelastisch und hart sein. Das ist eine ganze Menge.

Bild 1 zeigt die vor und rückdrehenden Momente bei einem 1 bzw. 2 Zylider Motor.

Bild 2 zeigt das gleiche bei einem 4 bzw.6 Zylinder Motor.

Also erst beim 6 Zylinder heben sich rück und vordrehende Kraftmomente auf und damit läuft die Nockenwelle nahezu ohne wechselnde Drehbelastung.
Natürlich ist die Knickbelastung durch mindestens 12 Ventile sehr hoch, aber da kann man ja mehrfach lagern.

Der Nockenwellenberuhiger soll also zusätzliche Zylinder simulieren bei Motoren unter 6 Zylinder.

Vom Reibungsstandpunkt(Leistungsverlust) allein heller Wahnsinn.

Beispiel JAWA OHC Kegelrad: 2 Zylinder Motor, aber Reibung wie 4 Zylinder.

Und nun kommt das Wesentliche. Die Konstruktionsbücher ab der kaiserlich technischen Hochschule Berlin in den 20ern, dann das Gleiche nochmal in den 30ern (da kommt das Bild her vom 1. Beitrag) und zuletzt in den 50ern auf allen Hochschulen und Konstruktionsbüros sagen dazu:

Wenn ein Nockenwellenberuhiger verwendet wird muß die Ersatzmasse des Beruhigers gleich der Hauptmasse des Ventiltriebs sein.
Allerdings steigt dadurch der Reibverlust des Motors was schon darum seine Verwendung ausschließt.

Diese zwei Sätze sagen alles und man muß sie mehrmals lesen.

Das Bild 3 zeigt Haupt und Ersatzmasse unserer OHC mit Kegelrad. Versteht jeder Nichtfachmann. Das Verhältnis ist ca. 10 zu 1 und damit unbrauchbar.

Das ist so als wenn im Wald ein bärenstarker Typ von 150 kg Euch verhauen will und Ihr wiegt gerade mal 15 kg.

Ich habe mal, weil ich das Versuchen nicht lassen kann, die Beruhigerfeder verfünffacht um ein Verhältnis von ca. 5 zu 1 zu bekommen und da ist mir das Gewinde im Kopf ausgerissen für den Federtopf, siehe Bild 3 rechts Teil 21. Also selbst das wurde noch nicht mal ausprobiert.

Vermutlich war das eine reine Schein-Alibikonstruktion um den Chef zu beruhigen, weil vermutlich am Anfang Nockenwellen abgeschert sind.

Und nochmal: Die Schnecke hat das nicht, welchem Schneckenfahrer ist schon mal die Nockenwelle abgeschert???

Ich glaube das reicht erst mal fürs Erste.

Henning.

jawadoc jr. Offline

Jawa Profi


Beiträge: 685

12.04.2013 15:00
#3 RE: Nockenwellenberuhiger Antworten

Zitat
Und nochmal: Die Schnecke hat das nicht, welchem Schneckenfahrer ist schon mal die Nockenwelle abgeschert???



Abgeschert ist wohl noch keine Nockenwelle - aber gerade die Schnecke macht oft viel Radau im Kopf,wenn die riesigen

Federn die Nockenwelle regelrecht rumschlagen lässt sobald der höchste Punkt der Nocke erreicht ist .

Henning,bist Du mal ohne den Beruhiger gefahren und hat das irgentwelche akustischen Auswirkungen gehabt ?

vg Torsten

Jawa 500 Offline

Jawa Profi


Beiträge: 216

13.04.2013 23:36
#4 RE: Nockenwellenberuhiger Antworten

Toller Beitrag und auch für Nichtingenieure sehr verständlich erklärt! Danke!


Mit ölverschmiertem Gruß, Axel

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

16.04.2013 22:34
#5 RE: Nockenwellenberuhiger Antworten



Hallo JAWA Treiber und lieber Torsten,

hatte im ersten Beitrag schon gesagt dass ich einige 1000 km ohne Beruhiger gefahren bin und das ohne Probleme.
Die Massenverhältnisse sind so, dass er garnicht funktionieren kann.
Klappern(Abheben von der Nockenscheibe) tut nur der Stößel und je stärker die Feder um so später(höhere Drehzahl) klappert er.

Die Schnecke ist eine absolute Fehlkonstruktion, denn mindestens seit den 20er Jahren sagen die Konstruktionsbücher und die Studenten wurden damit gepeinigt: Schneckenantriebe haben einen schlechten Wirkungsgrad und damnit hohen Abrieb und sind für Nockenwellenantriebe ungeeignet.
Meistens wurde Bronze darum für das Schneckenrad verwendet.

Da die Schnecke schärfere Steuerzeiten und trotzdem weniger Leistung als die Kegelrad-OHC hat zeigt das da was fehlkonstruiert wurde.
Aber die Nockenwelle der Schnecke hat den Hauch einer Rennockenwelle, da sie gebaut ist. Das heißt Welle und Nocken sind zusammengabaut und nicht gegossen oder geschmiedet. Und das für 26 PS???

Wenn sie laut ist, ist mit Sicherheit das Schneckenrad verschlissen, was bei der Schnecke sehr schnell geht.

Ich kenne eine sehr leise Schnecke, die hat aber fast nichts gelaufen.

Oben das Bild noch von einer Nockenberechnung. Das ist nur ein Bruchteil von der Gesamtrechnung.
Es erfordert viel Erfahrung um die optimale Nockenform für den jeweiligen Anwendungsfall zu finden.

Damit war vermutlich der JAWA-Ingenieur überfordert. Offensichtlich war das sein Erstlingswerk.

Ist ja auch kein Wunder und darum auch keine Kritik, denn immer hatten andere bei JAWA das Sagen.

Erst kaufte man die sehr aufwendige OHC-Wanderer mit Kardan einschl. Zeichnungen und Produktionseinrichteungen Ende der 20er.

Dann hatte der engl. Konstrukteur Pattchet das Kommando und baute einen billigen OHV Motor mit Kettenantrieb und kaufte den englischen Villiers 2 Takt Motor und baute ihn dann nach.
Mitte der 30er wurde dann wegen der modernen Schnürle Umkehrspülung der DKW 2 Takt Motor Typ SB in Lizenz hergestellt.

Und von 1939 bis 1945 war JAWA Fertigungs- und Reparaturbetrieb für DKW und fester Bestandteil der deutschen Rüstung.
Das gilt auch für PRAHA (38 T Panzer), Tatra mit Lastwagen und Skoda mit Kübelwagen. Es gab Wehrmachtsdivisionen die ausschließlich mit tschechischen Produkten ausgerüstet waren. Da gibt es in Tschechien noch einiges aufzuarbeiten in Sachen Widerstand.

Und erst ab 1945 konnte man was eigenes bauen, aber dann gleich voll loslegen, während in Ost und Westdeutschland erstmal alles demontiert wurde und erst ab ca. 1950 mit dem Motorradbau begonnen werden konnte.
Und da hat JAWA als ehemaliger DKW Fertigungsbetrieb kräftig DKW Patente verwendet. Schaut Euch mal die DKW-NZ an und vergleicht sie mit der Perak.
Auch das gleichzeitige Zentrum von Kickstarter und Schalthebel war DKW Patent und an der Perak zu finden. Erst nach DKW Einspruch wurde umgebaut auf Einhebelanlage.

Ja,die Historie ist oft sehr interessant und wird oft vernachlässigt. Mein Schwiegervater war Rüstungsingenieur der Wehrmacht und zuständig für Überwachung von Praha, Tatra, Skoda und JAWA. Die Rüstungsarbeiter haben seiner Meinung nach gut verdient.

Er sprach immer von der schönsten Zeit seines Lebens. Von Widerstand hat er nie gesprochen. Den sieht man immer erst viel später in Filmen.

Gehört eigentlich alles hier nicht rein.

Besten Gruß von mir.

Henning.

Wer noch mehr Formeln über Nocken haben will soll sich melden. Da können wir mit Wände tapezieren.

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

17.04.2013 12:13
#6 RE: Nockenwellenberuhiger Antworten

Man sollte abends keine Beiträge mehr schreiben. Da läßt die Konzentration nach.

Die Wanderer (später Rumpal) war natürlich eine OHV und die Motoren von Pattchet zuerst SV und dann OHV.

Unsere OHC's sind also die ersten Motoren mit obenliegender Nockenwelle bei JAWA.

Es gibt allerdings Motoren mit Nockenwellenberuhiger-hochinteressante Entwicklungen-davon später.

Henning.

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

27.04.2013 13:22
#7 RE: Nockenwellenberuhiger Antworten



Hallo Fans von Nockenwellenberuhiger.

Ich habe neben der JAWA OHC noch ein Motorrad mit Nockenwellenberuhiger.
Der verbraucht aber keine Leistung und ist in der NSU MAX, die ich im Januar 2013 auf der Motorradmesse in Magdeburg am Stand der JAWA Freunde Magdeburg neben meiner DKW ausgestellt hatte.

Siehe Bild der Max-Schubstangenventilsteuerung, auch Ultramaxsteuerung genannt.
Dieses Prinzip findet sich an jeder Dampflokomotive und das kennt auch jeder.

Der Albert Roder, Chefkonstrukteur bei NSU, wollte für ein Serienmotorrad eine obenliegende Nockenwelle haben und über die dadurch erhöhte Drehzahl mehr Leistung als die anderen rausholen.
Man darf nicht vergessen, dass Anfang der 50er in Westdeutschland ein furchtbarer Kampf um Marktanteile begann.
Es gab ca. 60 Motorradfirmen einschl. der ehemaligen Fahrradfirmen (Miele, Brennabor, usw.) die alle ein Stück vom Kuchen haben wollten und da mußte man sich schon was besonderes für die Werbung einfallen lassen.

Und wir im Osten mußten wielange auf ein Motorrad warten???

Und das war die Ultramax Schubstangensteuerung mit 7000 U/min.
Aber das machte die Horex Regina auch mit Stößelstangen. Die Sport-AWO später auch.

Aber so ist das in der Werbung, da darf man nicht so genau lesen.

Die Schubstangensteuerung hat Gegengewichte, siehe Bild, und damit sind die Massen voll ausgeglichen.

Teuer ist diese Lösung auch, aber sie hat sich gut verkauft dank der Werbung.

Übrigens hatte die NSU 2 Zyl. Rennmax (250ccm) auch Königswellen. Zuerst zwei und zuletzt eine. Später wurde nur noch die Schubstangensteuerung verwendet für die Privatfahrer.
Und wenn man heute zu den Oldierennen geht und sich eine NSU Sportmax genau anschaut, dann sieht man links vorne eine große Schraube.
Da hat man heimlich die Schubstangensteuerung rausgeschmissen und durch eine Kette ersetzt. Die Schraube bedient dann den Kettenspanner.

Pfui Teufel, das ist doch nicht original!!!

Das wars für heute und noch ein schönes Wochenenden.

Henning.

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

12.05.2013 21:46
#8 RE: Nockenwellenberuhiger Antworten

Hallo Nockenberuhiger Fans, mir fällt da noch was ein.

Meine Chefs, und da bin ich heute noch sehr glücklich drüber, waren Entwicklungsingenieure der Flugmotorenindustrie vor 1945.
Leider werden für den Krieg immer die tollsten Entwicklungen gemacht, siehe V 12 Motore von Junkers, BMW und Daimler Benz.

Die hatten damals vor 1945 schon Einspritzung und Aufladung.
So erzählte mir mein Chef, Motorenentwickler bei Junkers, von einem V 12 Motor, Typ JUMO 213, 35 L Hubraum, 2000 PS Startleistung, 3 L Hubraum pro Zyl., 3 Ventile pro Zyl. 2 Stufenaufladung, Methanol oder Lachgaseinspritzung, Baujahr 1944, von einer Auflage des Reichsluftfahrtministerium. Da keine Zeit mehr für eine ordentliche Erprobung war, weil die Amis schon in Rufnähe waren, wurden die Nockenwellen mit außenliegenden Schwungscheiben zum Massenausgleich ausgerüstet um eventuelle Brüche zu verhindern.
V 12 Motor mit obenliegender Kurbelwelle( eingebaut in Flugzeug Focke Wulf), weil zwischen dem V der Zylinderbänke die 3 cm Kanone lag, die durch die Propellerhohlachse schoß.

Haben wir nicht hier im Forum einen Dessauer? Da müßte der Motor doch im Museum zu sehen sein?

Wenn ja Fotos machen und zeigen.

Das wars zum Thema Nockenwellenberuhiger.

Gruß Henning.

jawa power Offline

Jawa Profi


Beiträge: 215

15.05.2013 14:58
#9 RE: Nockenwellenberuhiger Antworten

Hallo Henning. meinst du sowas ??
Gruß Franko

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

16.05.2013 12:47
#10 RE: Nockenwellenberuhiger Antworten

Hallo Franko,
danke für Deinen Beitrag. Hatte manchmal das Gefühl hier Alleinunterhalter zu sein.

Ob das ein Junkersmotor Typ 213 ist weiß ich nicht.
Alle damaligen V 12 Motore von Junkers, BMW, Daimler Benz, Rolls Royce usw. sahen ähnlich aus.

Übrigens hat man den V 12 umgedreht, also Kurbelwelle oben, damit die Pilotenkanzel nicht so hoch wird wie bei den Sternmotoren und dann die Kanone zwischen den Zylinderbänken plaziert werden kann.
Bei den Sternmotoren schoß man zwischen den sich drehenden Propellerflügeln. Die Steuerung kam von ARGUS-Berlin und mußte sehr genau sein, sonst war der Propellerflügel weggeschossen.

Man kann bei diesem Motor viel erkennen.

Oben die Kurbelwelle und unten die Nockenwelle.
Rechts die Hohlantriebswelle für den Propeller und zur Aufnahme der 3 cm Kanone.
Links das Riesengehäuse für den Lader und unten die Nockenwelle, die von einer Königswelle angetrieben wird.. Und links oben den Zündmagneten und darunter der Flansch für den Anlasser..
Sehe aber keine außenliegende Schwungmassen.

Die soll auch nur der letzte Motor JUMO 213 von 1944 haben.

Aber ich hoffe noch auf unseren Dessauer der ein Foto aus dem Museum macht.

Gruß Henning.

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