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Jawa 500 OHC - Forum

1952-1958

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Dieses Thema hat 17 Antworten
und wurde 2.320 mal aufgerufen
 Jawa 500 OHC
Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

22.03.2013 19:01
Nockenwellenposition Antworten





Auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen und weil das Wetter noch nicht zum Motorradfahren einläd nun die versprochene Anleitung zur Kontrolle der richtigen Nockenwellenposition zur Kurbelwelle.

Um richtige Motor-Leistung bei optimalem Fahrverhalten zu haben müssen die Steuerzeiten der Nockenwelle in richtiger Position zum Kolbenhub stehen.

Normalerweise haben Steuerketten, Nockenwellenzahnräder bzw. Nockenwellenkegekräder Markierungen auf den Gliedern bzw. Zähnen, damit die Position der Nockenwelle richtig zur Kurbelwelle ist.

Das benötigt man für die Montage bzw. Reparatur.

Alle mir bekannten Motore mit Königswelle von den 20er Jahren bis heute zur Kawasaki W 800 von 2012 haben eindeutige Markierungen auf den 4 Kegelrädern. Diese Markierungen werden zugeordnet und schon stimmt die Position Nockenwelle zur Kurbelwelle.

Alles ganz einfach und geht sehr schnell.

Die JAWA OHC hat das nicht. Vergessen oder waren Körner für die Markierungen damals Mangelware?

Darüber sagt auch die Reparaturanleitung nichts aus. Wie haben die das in der Fertigung gemacht?

Nachfolgende Methode beseitigt diesen Mangel.

1. Zuerst muß der OT (Zündungs OT) gesucht werden mit der Methode seines Vertrauens (Totpunktsucher, Bleistift, Draht usw.) Siehe Bild.

Das ist die Position wo auch die Ventile eingestellt werden. Also die Kipphebel müssen Spiel auf der Nockenwelle haben.
Die Nocken stehen genau gegenüber wo der Kipphebel die Nockenwelle berührt.

2. Um die von JAWA angegebenen Werte zu kontrollieren muß das von JAWA angegebene Kontrollspiel von 0,25 mm eingestellt werden.
Andere Hersteller verwenden Kontrollspiele von 1 oder 2 mm, damit werden Meßfehler verringert die durch die Anlauframpen der Nocken entstehen.

3. Nun wird die Gradscheibe montiert und auf Null eingestellt, siehe Bild.
Dann wird die Kurbelwelle um 360 Grad verdreht (1 Umdrehung) und die Kontrollmessung kann beginnen.

4. An Hand der von JAWA genannten Werte getrennt nach Schnecke bzw. Kegelrad, siehe Bild, überprüfen wir nun das Öffnen bzw. Schließen der Einlaß
bzw. Auslaßventile.

Dabei schauen wir auf die Gradscheibe und fühlen am Kipphebel wann er sich bewegt.(Spiel kleiner oder größer wird). Er am Nocken zur Anlage kommt oder ihn verläßt.
D.h. da wo der Kipphebel beginnt sich zu bewegen oder aufhört sich zu bewegen wird abgelesen.
Motorenfirmen machen das mit Meßuhren aber es geht auch ohne.

Wenns stimmt ist es gut, wenn nicht muß die Nockenwelle versetzt werden. Das Bild zeigt auch um wieviel Grad sich die Position verändert bei
einem Zahn vor oder zurück.

Man kann das mit beiden Zylindern machen aber in der Regel reicht eine Seite. Ich mache das immer mit der rechten Seite,
das ist bei mir Zylinder 1.

Und zum Schluß muß dann wieder das normale Betriebsventilspiel(kalt) eingestellt werden. Einlaß 0,10mm Auslaß 0,15 mm

Hilfsweise könnte man auch eine Gradscheibe am Zündunterbrechernocken befestigen.

Dann gelten die halben Werte bei den Kurbelwellenwinkelgraden. Aber das ist sehr ungenau.

Die OHC hat 6 Zahnräder zwischen Kurbelwelle und Unterbrechernocken und die haben alle Spiel.

Damit ist einwandfreis kontrollieren nicht möglich.

Das wars oder habe ich noch was vergessen?

Beste Grüße

Henning.

Jawa 500 Offline

Jawa Profi


Beiträge: 216

22.03.2013 23:13
#2 RE: Nockenwellenposition Antworten

Hallo,

wiedermal ein sehr informativer Beitrag!

Zur Frage, wie die das in der Fertigung gemacht haben: Mit Farbmarkierungen. Bei vielen meiner Motoren ist die Position mit weißem Lack auf den Zahnrädern markiert. DIe Jawa Zahnräder waren wohl einfach zu gut gehärtet zum Körnen. Spaß beiseite, mir fällt immer wieder auf, dass selbst bei den letzten verschlissenen Schrottmotoren die Königswellenteile fast immer neuwertig aussehen. Zumindest ich habe noch keine Pittingspuren oder sonstigen Verschleiß gesehen. Böse Zungen könnten jetzt sagen, dass die Motoren eben alle wenig gelaufen sind...

Gruß Axel


Mit ölverschmiertem Gruß, Axel

Arnold Offline

Jawa Profi

Beiträge: 225

23.03.2013 17:13
#3 RE: Nockenwellenposition Antworten

Hallo, Jawafreunde !
Zunächst einmal ein recht herzliches Dankeschön an Henning für seinen wiedermal guten Beitrag zur Einstellung am Jawa 500 OHC - Motor !
Wie Henning betonte ist es schon "ungewöhnlich", daß die Steuerräder des Nockenwellenanrtiebs ( Königswellenantrieb ) keine Einstellmarkierungen haben !?
Das ist mir bisher an keinem Motor vorgekommen, weder Benzin - noch Dieselmotor und ich hatte früher sehr viel mit Motorreparaturen zu tun !
Hinweisen möchte ich noch, das ich den linken Zylinder zum einstellen nehme, da an der linken Kurbelwellenseite die Gradscheibe montiert wird und darum der Zugriff auf die Ventileinstellung u. - Kontrolle der Gradscheibe demzufolge besser und leichter erfolgt ! Ausserdem kann linksseitig der Kickstarter bzw. bei eingelegtem 4.Gang über das Hinterrad der Motor bzw. die Kurbelwelle besser verdreht werden ( Rechtshänder z. B. ) !
Es ist auch ratsam das Ventilspiel bei Änderungen an den Ventilen bzw. Wechsel von Ventilteilen und Nockenwelle usw. etwas grösser einzustellen ( Einlaß: 0,15 mmm , Auslaß: 0,20 mm ) und nach einer Fahrstecke von 500 - 1000 km erst das Ventilspiel auf vorgeschriebene 0,10 und 0,15 mm einzustellen ! Damit hat man gleichzeitig die Kontrolle über den Ventiltrieb, denn bei grossen Abweichungen des Ventilspiels ist mit Sicherheit etwas nicht in Ordnung und sollte kontrolliert werden !
Bei meinem im letzten Winter überholten Motor gab es zum Glück nur sehr geringe Abweichungen des Ventilspiels, obwohl ich die Nockenwelle gewechselt hatte ( gutes Gebrauchtteil ) und die Ventile neu eingeschliffen hatte usw. !
Problematisch ist es, wenn z.B. das Ventilspiel sich durch das "Anpassen" erneuerter Teile des Ventiltriebs ( Kipphebelteile bzw Nockenwelle usw.)so ändert, das kein Spiel mehr vorhanden ist !
Die Ventilteller bzw. Ventilteller können dadurch Einbrandstellen bekommen - mit allen nachteiligen Folgen !
Mit freundlichen Grüssen - Arnold

Arnold

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

24.03.2013 14:14
#4 RE: Nockenwellenposition Antworten




Lieber Alex,

köstlich, denn ich hatte ehrlich damit gerechnet dass sich jemand meldet und sagt: Mein Körner ist beim Markieren stumpf geworden.

Bitte schicke mir einen neuen.

Spaß beiseite.

Seit zig Jahren wurden und werden in der europäischen Motorenindustrie einschl. Osteuropa die Markierungen wie folgt angebracht:

Nach dem Zahnradfräsen werden die Zähne mechanisch markiert, denn Farbe geht irgendwann ab. Dann wird die Nut in enger Winkel-Toleranz zum Zahn bzw. Markierung gefräst(der Winkel steht auf der Zeichnung) und dann wird gehärtet. Nicht schon vorher. Also Körner bleibt spitz. Siehe Bild. Bitte zoomen.

Schau mal in Deine Standard Rex. Die hat das genauso wie meine von 1936. Brauchst nur oben das Schauloch auf zumachen. Geht ganz schnell

Kleinere Betriebe oder Bastelbuden sind da wohl die Ausnahme.

Ich habe 3 OHC Kegelräder für die Kurbelwelle unten. Da hat die Nut jedesmal einen anderen Winkel zum Zahn. Es blieb also dem Fräser überlassen wo er die Nut reinmacht.
Typisch für Erstmuster oder Prototypen, aber nicht für die Serie. Da wären die Händler bei einer richtigen Serie schon auf die Barrikaden gegangen.

Die Laufzeiten der 500 OHC begannen nach meiner Meinung erst nach der Wende zu steigen. Meine tschechischen Oldtimerfreunde sagen alle gleichlautend, dass die OHC einen sehr schlechten Ruf hatte und früh, auch bei der Polizei, ausgemustert wurden.

Zwei holländische JAWA Händler aus der damaligen Zeit sagten mir, dass jeder Händler nur eine bestellen konnte und die sollte dann im Laden stehen. Prospekte sollten Interesse wecken und dann wollte man weiter sehen. Aber wer wollte im Westen ab Mitte der 50er noch ein Springbockfahrwerk haben? Da hatten alle anderen schon Vollschwingenfahrwerke.

Meine hatte noch Original Kolben, Kugellager, Unterbrecherkontakte usw. Selbst die Reifen waren noch original, weil das Ding nur in der Ecke gestanden hatte.

Vielleicht sagen mal andere OHC Besitzer ob und wie bei ihrer OHC die Kegelräder gezeichnet sind.

Besten Gruß von mir

Henning.

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

24.03.2013 15:27
#5 RE: Nockenwellenposition Antworten

Lieber Arnold,

gleichzeitig am Hinterrad drehen, den Kipphebel beobachten und dann noch an der Gradscheibe ablesen, können eigentlich nur Frauen.

Denn Männer können besser einparken, aber nie 3 Sachen auf eimal machen.

Spaß beiseite.

Ich hatte vergessen zu sagen:

Zündkerzen auf beiden Seiten raus und 4. Gang einrücken, weil da die Übersetzung 1 : 1 ist, während es beim 1.Gang 3 : 1 ist.

Mit dem Kickstarter geht nicht, da kann man nicht rückwärts drehen.

Also ehrlich. Bei mir macht das Drehen am Hinterrad meine Frau, während ich eine Fühlerlehre (Spion) mit 0,05 mm zwischen Ventil und Einstellschraube lege und wenn der schwergängig wird(das Ventil zu öffnen beginnt) bzw. sich schwer einschieben läßt(das Ventil zu schließen beginnt) sage ich stopp zu meiner Frau und dann lesen wir ab.

Die JAWA Methode mit 0,25 mm Kontrollspiel ist unüblich und genauso einmalig wie das Motorrad und verursacht Meßfehler wegen dem Meßpunkt an den flachen Anlauf und Auslauframpen, besonders bei gebrauchten Nockenwellen.

Üblich international sind 2 mm Kontrollspiel, weil man da auf dem steilen Nockenanstieg ist und damit ist die Messung genauer.

Man will ja nicht die Ventilerhebungskurve kpl. messen, sondern nur den richtigen Einbau kontrollieren.

Man kann auch das normale Ventilspiel mit 0,1 und 0,15 mm belassen und mißt nur die Symmetrie zwischen Auslaß schließt und Einlaß öffnet beim
OT 2.

Das wären bei S ca. 35 Grad und bei K ca. 29 Grad für Auslaß schließt bzw. Einlaß öffnet.

Wenn diese Werte annähernd gleich ist stimmt die Nockenwellenposition.

Noch einen schönen Sonntag. Muß jetzt noch mit dem Hund raus und es ist sch.....kalt.

Besten Gruß

Henning.

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

24.03.2013 16:58
#6 RE: Nockenwellenposition Antworten

Entschuldigung!!!

Alex muß natürlich Axel heißen.

Ja das Alter schlägt grausam zu. Irgendwann merkt ihr das auch mal.

Henning.

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

27.03.2013 13:21
#7 RE: Nockenwellenposition Antworten

Hallo OHC Freunde,

in meinem Briefkasten liegen noch 3 Anfragen zum Sinn und Funktion des Nockenwellenberuhiger, auch Nockenwellendämpfer genannt.

Das ist das Ding vorne-oben-rechts auf dem Zylinderkopfdeckel mit dem Stößel, Druckfeder, Nockenscheibe und der 4 Loch-Befestigung am oberen Königswellenkegelrad.

Werde dazu noch etwas schreiben. Eine Nockenwellenschwingungsdämpfung hat Generationen von Studenten und Motorenkonstrukteure schon beschäftigt.

Dazu auch noch etwas zum Einstellen des oberen und unteren Zahnflankenspiel der Kegelräder. "Jaulen oder Klappern".

Warte aber noch auf Beiträge wie bei den Anderen die Kegelräder markiert sind. Außer von Arnold und Axel, da war wohl auch nichts oder nur Farbe, herrscht hier Schweigen im Wald.

Oder noch nie kontrolliert???

Bis bald, denn der Hund ruft (bellt).

Gruß Henning.

jawadoc jr. Offline

Jawa Profi


Beiträge: 685

28.03.2013 12:26
#8 RE: Nockenwellenposition Antworten

...bei uns sind auch nur Farbpunkte oder garnichts

vg aus Gommern

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

06.04.2013 14:19
#9 RE: Nockenwellenposition Antworten



Hallo OHC Fahrer,

der Hinweis von Arnold zu mehr Spiel bei den Ventilen nach erfolgter Reparatur ist sehr wichtig.
Aber warum???

Es gibt unzählige Untersuchungen in den Automobilfirmen zur Ventilspieländerung in Abhängigkeit der Betriebsstunden und immer mit dem selben Ergebnis.

Ventilspieländerung durch Verschleiß oder Setzen der Ventile erfolgt erst nach zigtausend Kilometer.

Hauptverantwortlich für Ventilspieländerung ist das Setzen der Dichtungen um ca.1/3 bis 1/4 der ursprünglichen Dicke von ca. o,6 mm.

Ganz schlimm bei Motorrädern mit untenliegender Nockenwelle, da setzen sich 2 Dichtungen.
Zylinderkopf- und Fußdichtung.

Bei Autos mit untenliegender Nockenwelle ist das weniger, weil Gehäuse und Zylinder ein Teil ist. Da fällt die Fußdichtung weg. Bleibt noch die Kopfdichtung.

Motoren mit obenliegender Nockenwelle (OHC) kennen normalerweise dieses Problem nicht, denn der Antrieb ist oben und damit steif. Also keine Dichtug zwischen Nockenwelle und Ventil.
Wegen dieser Steifheit baut man übrigens die obenliegende Nockenwelle.

Da muß der Teufel den JAWA Konstrukteur geritten haben oder er hatte einen schlechten Tag gehabt, oder mehrere.
Denn er hat den Zylinderkopf beim Kegelradantrieb in Ober-und Unterteil aufgeteilt und dazwischen liegt wieder eine Dichtung, siehe Bild.
Also nichts mit Steifheit und Konstanz des Ventilspiels als Aushängeschild des OHC Antriebs.
Das hat natürlich auch großen Einfluß auf das Zahnspiel der Königswelle. Da setzen sich nun 3 Dichtungen (Fuß-, Kopf- und Ventilantriebsdichtung) und verändern damit das Zahnspiel (Heulen oder Klappern)

Bei der Schneckenausführung war es noch richtig und warum beim Kegelrad nicht???

Warum?

Fragen über Fragen. Hat mal einer die Telefonnummer vom Konstukteur?


Und weil er einen schlechten Tag hatte, hat er auch noch die Wälzlager der Nockenwelle beim Kegelradantrieb vertauscht.

Auf der stärker belasteten Kegelrad-Antriebsseite, wo zusätzlich noch der Nockenwellenberuhiger für stärkere Belastung sorgt, hat er das schwächere Kugellager 6303 und auf der gegenüberliegenden weniger belasteten Seite das hochbelastbare Rollenlager N 204 verbaut.

Warum?

Fragen über Fragen. Hat mal einer die Telefonnummer vom Konstrukteur?

Macht Euch mal en paar Gedanken und noch ein schönes Wochenende trotzdem.

Henning.

Arnold Offline

Jawa Profi

Beiträge: 225

06.04.2013 17:20
#10 RE: Nockenwellenposition Antworten

Hallo, Henning !
Widersprechen möchte ich Dir ungern in Bezug auf die Nockenwelleneinstellung, da Du ja bekannterweise unser "Experte" bist ! Multitasking, also mehrere Dinge auf einmal durchführen, können tatsächlich erwiesenermaßen die Frauen besser als wir Männer ( wissenschaftlich erwiesen ) ! In meinem Fall habe ich nicht meine Frau bemüht, sondern allein die Einstellungen des Nockenwellentriebs vorgenommen ! Zur Einstellung bin ich so vorgegangen: Da der rechte Motordeckel noch nicht montiert war, konnte ich mit passendem Schraubensclüssel die Kurbelwelle direkt drehen ! Den Kipphebel des einzustellenten Ventils habe ich, wie in der Anleitung angegeben, auf der Nockenwelle unter Druckspannung verschoben, sodas beim Erreichen der Schließstellung des Ventils der Kipphebel wieder in Grundstellung springt - mit vernehmlichen Knackgeräusch und damit der Zeitpunkt des Abhebens erreicht ist ! ! Dadurch kann ich sehr wohl allein per Drehung am Hinterrad die Einstellung allein vornehmen ! Die Gradscheibe kann ich gleichzeitig beobachten - aber auch danach ablesen, also problemloses Einstellen der Ventile ist damit auch allein gegeben !
Bei meiner Überholung des Motors und damit auch Reparatur und anschließender Einstellung des Ventiltriebs hatte ich damit sofort Erfolg und damit die richtige Einstellung problemlos gefunden !
Mit freundlichen Grüssen - Arnold

Arnold

Arnold Offline

Jawa Profi

Beiträge: 225

06.04.2013 18:12
#11 RE: Nockenwellenposition Antworten

Hallo, Henning !
Herzlichen Dank zunächst nochmals für Deine fundierten Beiträge zur Nockenwellenposition ! Meiner Meinung nach hat das Setzen der Dichtungen keine so großen Auswirkungen auf die Ventilspieleinstellung, da der Verschleiß der beaufschlagten Teile des Ventiltriebs ( Nockenwellennocken, Kipphebelschleifpilz, Einstellschrauben - Auflage und Ventilschaftkopf )annähernd im gleichen Maße erfolgt ! Bei mir z.B. hat sich das Ventilspiel auch über einen längeren Zeitraum ( Fahrstrecke ) kaum verändert, obwohl ich auch öfter die Kopfschrauben nachgezogen habe !
Gutes Motoröl und öfteres Ölwechseln , nach jeder längeren Fahrt ( bei mir meistens über 1.000 km ! ) , also höchstens bei 2.000 km, sind bei mir angesagt und hat sich auch gut bewährt !
Ein ausreichendes "Warmfahren" des Motors ist auch besonders wichtig, da das Motoröl durch die Konstruktion der Schmierung , besonders der Nockenwelle und des Ventiltriebs im besonderen,
erst nach ca. 10 km Warmfahrstrecke die Teile erreicht ( sehe ich an meinem nachträglich deswegen montiertem Ölschauglas am Kegelraddeckel des Zylinderkopfs ) !
Das der Zylinderkopf zweigeteilt ist , hat natürlich den Vorteil bei Instandsetzungsarbeiten am Zylinderkopf ( einfacherer Zugang und Reparatur der Teile )!
Das die Konstrukteure die Lagerung der Nockenwelle "praxisfremd" gelößt haben steht außer Frage und Henning hat das ja auch richtig erkannt und bemängelt ! Für mich ist es auch rätselhaft, das die Antriebseite der Nockenwelle, die ja weitaus höher belastet ist, das einfache Rillenkugellager hat ...?! Wahrscheinlich hatten sich die Konstrukteure dabei gedacht, das dieses Rillenkugellager allseitig die Nockenwelle besser führt und damit der Kegelradantrieb stabiler erfolgt, da der Dehnungsausgleich dadurch nur über das linke NU 204 - Rollenlager erfolgt !
Die Konstrukteure des Königswellenantriebs haben zudem eine "unpraktische" Lösung des Einbaus der Königswelle praktiziert ! Warum ist die Königswelle nicht beim komplett montierten Zylinder u. - kopf von außen angeflanscht - also abnehmbar gestaltet - ohne den Zylinderkopf zu demontieren bzw zu lockern und anzuheben ?! Das Einstellen des Kegeltriebs und die Reparatur währen dadurch sehr viel einfacher ! Schon die Abdichtung des Antiebsschutzrohres ( 2 Stck. O - Ringe unten und Spezialdichtring oben )ist bei dieser Konstruktion eine Zumutung, andere Königswellen sind ja auch so konstruiert ( z.B. die neuzeitliche Kawasaki W 800 ) !
Die damaligen Jawa 500 OHC - Konstrukteure können also nur froh sein, das Henning sie nicht zu Rede stellen kann ... !!!
Mit freundlichen Grüssen - Arnold

Arnold

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

07.04.2013 14:11
#12 RE: Nockenwellenposition Antworten

Hallo OHC Fans,

solche Diskussionen wie zwischen Arnold und mir können natürlich ausufern und irgendwann ist der Bezug zur Themenüberschrift weg.
Das ist normal, man kommt dann vom Höckchen aufs Stöckchen. So heißt das hier im Rheinland.

Darum von mir noch diesen Rest.

1. Ich hab nicht ganz verstanden wie Arnold die Ventile einstellt.

Ich nehme erst einen Zylinder, mache den auf Zündungstotpunkt und stelle mit Hilfe der Fühllehre am Einlaß 0,1 und am Auslaß 0, 15 mm ein.
Dann das Gleiche mit dem Anderen. Geht ganz einfach und sehr schnell.

2. Habe gerade die alte ominöse Zwischendichtung vom geteilten Zylinderkopf vermessen. Die hat sich genau um 0, 19 mm zusammengedrückt.
Also 0, 19 mm ist die Nockenwelle mit Kipphebeln in Richtung Ventile gewandert. Und das soll keinen Einfluß auf das Ventilspiel haben?
Oder ist das nur hier so in NRW wegen der schlechteren Luft, obwohl die heute schon viel besser ist. In BW ist die natürlich noch besser.

JAWA und alle anderen sagen, dass ca. 500 km nach der Motorüberholung der Kopf nachgezogen werden muß und damit ändert sich jedesmal das Ventilspiel und muß korrigiert werden. Das Setzverhalten der Dichtungen dauert noch länger. Das ist auch der Grund warum es bei einigen anderen Dehnschrauben gibt.
Man kann eine ganze Wohnung einschl. Dachboden und Keller tapezieren mit Literatur die sich mit dem Setzverhalten von Dichtungen und deren Einfluß auf das Ventilspiel beschäftigt. Hauptthema bei den Dauerläufen im Motorenversuch.
Übrigens ändert sich damit auch das Zahnradspiel der Königswelle. Wird enger.

3. Ich glaube dass die meisten Forumsleser hier noch nie ihre Königswelle demontiert haben, denn davor haben die meisten Bammel. Mit Recht.
Besondere Freude kommt auf wenn Teile ausgewechselt werden oder die Restsubstanz an Distanzscheiben zur Einstellung des Zahnradspieles oben und unten nicht vorhanden ist. Da beginnt man bei der Stunde Null und da zeigt sich die wahre Größe des Reparateurs. Nichts für Eilige. Torsten hat das hier mal irgendwo richtig beschrieben.

Das beginnt immer mit der Frage: Wieviel Scheiben, welche Dicke und wo gibt es die?
Und wenn dann alles zusammen ist und der Motor jault oder klappert alles wieder auseinander und wenn die Dichtungen sich setzen wieder Korrektur.

Mein OHC Freund Erwin M. flucht dann immer auf polnisch weil er, wie er meint, auf polnisch besser fluchen kann als in deutsch.
Das gilt natürlich nur für die Selbermacher. Leute die es wegbringen, machenlassen und nachher darüber schreiben haben es natürlich einfacher.

4. Haben letzte Woche eine 450 ccm Horex Imperator überholt, Baujahr 1953, Twin wie JAWA, auch OHC aber mit mittiger Steuerkette, ungeteilter Zylinderkopf.

Steuerkette auflegen und oberes Kettenrad nach Markierung ausrichten, Nockenwelle einschieben und hydraulischen Kettenspanner lösen. Das wars.
Und noch keine 10 Minuten und kein Spiel einstellen, denn das übernimmt der Kettenspanner.
Leute, das war kein Action und richtig langweilig!

Da haben wir JAWA Märtyrer es besser, da ist richtig was los.
Und das Fluchen nicht vergessen.

Schluß von mir mit diesem Thema sonst machen die Anderen noch gän, gän.

Noch einen schönen Sonntag.

Henning.

jawadoc jr. Offline

Jawa Profi


Beiträge: 685

07.04.2013 17:09
#13 RE: Nockenwellenposition Antworten

Damit der Kopf bei Einstellarbeiten(die oft mehr probieren und fühlen sind)nicht jedesmal getrennt werden muss,
hat Vater die Kühlrippen am kopf gekürzt,dadurch kann die königswelle so herausgenommen werden ...

siehe:
ein Tipp:Kühlrippen am kopf kürzen

vg Torsten

Arnold Offline

Jawa Profi

Beiträge: 225

07.04.2013 20:05
#14 RE: Nockenwellenposition Antworten

Hallo, Henning !
Die Ventile stelle ich selbstverständlich auch so ein, wie Du es beschreibst, nur stelle ich, wie bereits angegeben, nach einer Instandsetzung usw. ein grösseres Ventilspiel ein ( 0,15 bzw. Auslaß 0,20 mm ). Das Ventileinstellen erfolgt natürlich erst nach dem endgültigen Anziehen der Kopfschrauben, also wenn die Dichtung das Endmaß erreicht hat ! Beim nochmaligen Nachziehen nach ca. 500 km Fahrt hat zur Folge, das sich auch die Dichtung noch etwas zusammendrückt - aber mit Sicherheit nur im Hundertstel Millimeterbereich und keine 0,19 mm ( die beim ersten Anziehen der Kopfschrauben sicherlich zustande kommen und abhängig vom Dichtungsmaterial ist ) ! Demzufolge kontrolliere ich dann nochmals das Ventilspiel , im letzten Fall waren bei mir nur 2 Ventile nachzustellen ! Damit ist bewiesen, das das Setzverhalten der Dichtung beim 2 Mal nachziehen so gut wie abgeschlossen und vernachlässigbar ist !
Damit ist für mich das Thema abgeschlossen - denn ich möchte die Diskussionen nicht "ausufern" lassen !
Mit freundlichen Grüssen - Arnold

Arnold

Jawa 500 Offline

Jawa Profi


Beiträge: 216

07.04.2013 23:06
#15 RE: Nockenwellenposition Antworten

Wäre eine Alternative statt der Paierdichtung eine moderne Flüssigdichtung zu verwenden?


Mit ölverschmiertem Gruß, Axel

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

08.04.2013 14:27
#16 RE: Nockenwellenposition Antworten

Auf jeden Fall, wenn es damit dicht wird.

Ist aber nicht ORIGINAL.

Gruß Henning.

jawadoc jr. Offline

Jawa Profi


Beiträge: 685

08.04.2013 17:59
#17 RE: Nockenwellenposition Antworten

Zitat
Wäre eine Alternative statt der Paierdichtung eine moderne Flüssigdichtung zu verwenden?



Wir fahren schon seit Jahren ohne Papierdichtung,nur Flüssigdichtung (Themperaturfestigkeit beachten!)

vg Torsten

Henning Offline

Jawa Profi

Beiträge: 100

09.04.2013 13:03
#18 RE: Nockenwellenposition Antworten

Immer noch kein Ende.

Mut und Leichtsinn ist nicht das Gleiche.
Flüssigdichtungen haben durchaus ihre Berechtigung. Für mich aber nicht im Zylinderkopfbereich bei fehlenden Vorraussetzungen.

Nicht jeder hat die Erfahrung vom JAWA Doc. Der überprüft mit Sicherheit vorher die Dichtungsflächen und plant sie ggf. nach.
Das macht und kann nicht jeder.

Auf Grund stark wechselnder Temperaturen im Zylinderkopfbereich (Teillast bei 1500 U/min bis Vollast bei 5500 U/min) arbeitet hier das Material gewaltig.

Ja, es gibt Zylinderköpfe ohne Dichtungen, aber das ist gewaltiger Aufwand mit der Einpassung gemacht worden. Diese Passungen fehlen ganz bei der OHC.

Oft werden Blechdichtungen mit einvulkanisierten temperaturbeständigen O-Ringen verwendet. Für Ventildeckeldichtungen oft auch aus dickem Kork.

Das der Konstrukteur uns hier ein Ei ins Nest gelegt hat mit der Zweiteilung des Kopfes ist bedauerlich, aber die ca. 0,55 mm Dichtung tut es ja auch und Ventilnachstellen nach 500 und dann alle 5000 km ist ein Klacks im Verhältnis zur Einstellung des Königswellenspiel.

Und bei uns ist ja "Warten und Reparieren" Freizeitgestaltung. Das war bei Motorrädern für die Fahrt zur Arbeit und in den Urlaub anders.

Über das Einstellen der Nockenwelle bei der Horex Imperator kann man höchstens 5 min sprechen, über die Königswelle der JAWA OHC aber Stunden oder Tage und das brauchen wir als Kontaktthema zwischen Oldiebesitzer. Über was sollen wir und denn bei den Treffen unterhalten?

Ich sehe immer eine große Gefahr bei der Weitergabe von neuzeitlichen Materialien wie Flüssigdichtung usw., weil oft die Vorraussetzungen an den Bauteilen fehlen und ausreichendes Fachwissen nicht immer vorhanden ist.
Wer zieht zum Beispiel seine Kopfschrauben nach Drehmoment an?

Das kann bei einem funktionieren und beim anderen ins Auge gehen.

Henning.

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